Fjord-Norwegen 2015

In diesem Jahr zieht es uns nach Süd-Norwegen.

Wir wollen von Kristiansand über Stavanger bis auf die Höhe von Bergen, dann durchs Landesinnere über Oslo zurück.

18.6.2015
Unsere Norwegenreise begann mit einer 15-stündigen Verspätung, weil der FJORD LINE EXPRESS von Hirtshals nach Kristiansand wegen technischer Mängel ausgefallen ist. So mußten wir in Hirtshalts bei strömendem Regen und viel Wind eine Nacht zubringen. Am nächsten morgen brachte uns dann die MS BERGENSFJORD in vier Stunden (statt der 2 1/4 Std. des EXPRESS-Schiffs) durch den Skagerrak ins Zielland.
Bei Sonnenschein durchstreiften wir am Nachmittag Kristiansand, die fünftgrößte Stadt Norwegens. Der schattbrettartige Grundriss (Kvaraturen) verleiht der Altstadt seinen Charakter. Vom zweitgrößten Hafen Norwegens sehen wir nicht viel.
Der Dom war zugesperrt, er liegt hübsch am Stadtplatz. In der Fußgängerzone geschäftiges Treiben. Sonst bietet die Stadt auf den ersten Blick nicht viel. Deshalb entschließen wir uns auch zur Weiterfahrt über die E39 – sie wird uns in den nächsten Wochen begleiten – nach Mandal, der südlichsten Stadt Norwegens.

19.6. – Mandal – weiße Stadt am Meer
Im Herzen der Stadt herrscht Holzhausidylle pur, alle weiß angestrichen. Hier steht auch Norwegens größte Holzkirche mit 1.300 Sitzplätzen. Leider wurde ein Teil des Kirchenraumes gerade renoviert.
Am bekannten Sandstrand von Sjösanden liegt ein schöner Campingplatz. Leider lädt das kalte Wasser der Ostsee nicht zum Baden ein, weil tagsüber immer wieder kleine Regenschauer niedergehen.

20.6. – Mandal – Flekkefjord
Zunächst geht’s über eine vogelwilde Küstenstraße (eng, kurvig ud hügelig) zum südlichsten Punkt des norwegischen Festlandes zum Kap Lindesnes. 2.518 km trennen es vom Nordkapp.
Dort steht der älteste Leuchtturm (1655 errichtet). Bei strahlend blauem Himmel erkunden wir das Freiluft-Museum (50 DK Eintritt/Senioren).
Mittags sind wir dann im Holzstädtchen Flekkefjord. Im 17. Jahrhundert verschiffte man von dort Holz nach Holland; daher gibt es dort auch ein Holländer-Viertel. Auf dem städtischen Stellplatz sind wir nur unter Norwegern, die überwiegend mit einem Rock-Konzert die Mittsommer-Nacht feiert. Wir machen die erste Flasche Zweigelt-Süss auf.

21.6. – Über Egersund ans Meer
Auf der E39 geht’s weiter nach Egersund, einer Industriestadt, die aber gewaltig nach Fisch stinkt. Menschenleer wirkt die Fußgängerzone – es schlafen wohl noch alle ihren Alkohol der Nacht aus. In der Kirche findet ein Taufgottesdienst statt.
Nun nehmen wir die Küstenstraße 44 durch die Landschaft Jaeren und kommen bei Ogna an einen romantischen Küstenabschnitt.
Die Wassertemperatur der Ostsee lädt leider nicht zum Bade ein. So vergnügen wir uns mit einer Radl-Ausfahrt.

Gerne würden wir euch – geliebte Leserschaft – schon die ersten Bilder einstellen – doch das fehlende WLAN läßt es im Augenblick leider nicht zu.

22.6. – Durch Jaeren nach Stavanger
Die nächsten 70 km geht’s immer an der Küste entlang durch die interessante Region Jaeren. Das ebene, flachwellige mit Steinhecken durchzogene landwirtschaftliche Gebiet ist untypisch für Norwegen und errinnert eher an Südengland.

Schon bald erreichen wir Stavanger, die große Hafen- und Ölstadt. Der Camping Mosvangen hat etwas altertümliche sanitäre Anlagen. Doch durch seine centrumsnahe Lage (2 km) ist das kein Problem.

Am Hafen lag ein supergroßes Kreuzfahrtschiff Disney Magic; uns wurde fast schwindlig von seiner Höhe und den Menschenmassen. Ein fast wolkenloser Himmel schenkte uns viel Sonnenschein; doch eine frische Brise kam immer wieder auf. Den Nachmittag verbrachten wir im hochinteressanten Norwegischen Erdölmuseum am Hafen.

23.6. – Ruhetag in Stavanger
Gegen Mittag wollten wir den Dom besuchen, der bis 1682 Bischofssitz war (jetzt Kristiansand). Leider war er wegen einer Orgelrenovierung nicht zugänglich. – So viele verschlossene Kirchen haben wir bisher nicht oft erlebt.

Den Ausflug auf den abenteuerlichen Prekestolen – ein Muss, so jedenfalls steht es in jedem Reiseführer – haben wir nicht unternommen, weil die 3-stündige Wanderung auf den 600 Meter hohen, steil abfallenden Felsen im Lysefjord mit noch zu anstrengend erschien. – Es muß ja auch noch etwas für weitere Fahrten übrig sein.

24.6. – Johanni
Denn – erstens: kommt es anders und zweitens: als man denkt!

Nachdem unser Reiseführer „Norwegen mit dem Wohnmobil“ – die schönsten Routen zwischen Südkap und Nordkap (von Thomas Kliem, Bruckmann-Verlag München 2015) den Preikestolen (706 m) als Höhepunkt auf unserer Route bescheibt, haben wir ihn heute bestiegen und sind mächtig stolz, es geschafft zu haben, auch wenn die Knochen jetzt wehtun.

Die Wegstrecke von 2 mal 4 km und die 350 Höhenmeter sind für Berchtesgadener Verhältnisse nix bewegendes, aber der Weg! Er besteht meistens nur aus groben Steinquadern, die kunstvoll aneinander gereit eine große Treppe ergeben. Solche Wege haben es in sich und sind mit unseren deutschen Alpenvereinswegen nicht zu vergleichen.

Als Beweis unserer Besteigung – einige huntert Leute aus aller Herrenländer waren mit uns – gibts diesmal ein Foto.

Preikestolen

 

Mit einer kostenfreien Fähre sind wir von Stavanger 30 Min. über den Idselfjorden nach Jorpeland gefahren. Bis 2018 soll die Fährverbindung durch einen Tunnel ersetzt werden. Am Spätnachmittag ging’s dann weiter auf der Straße 13 – sie wird uns in nächster Zeit begleiten – nach Hjemeland. Dort auf einem privaten Campingplatz mit dem Charme der 60er Jahre übernachtet.

 

25.6. – Tag der Fähren
Heute stehen 3 Fähren auf dem Programm: Zunächst von Hjelmeland nach Nesvik und wieder auf der R13 weiter nach Sand. Dort setzen wir über nach Ropeid; weiter geht’s auf der R46 auf teilweisen wieder sehr engen Straßen, wo einem am besten kein Bus oder LKW begegnen sollte. In Skanevik Fähre 3 nach Utaker und auf R48 weiter nach Rosendal, wo ein Stellplatz am Hafen liegt. Leider fängt es gegen Nachmittag zu Regnen an. Das Schlösschen der Baronin Rosendahl blieb uns verschlossen, ebenso der herrliche Rosengarten, wo noch nichts blühte.

26.6. – Direkt am Hardangerfjord
10 km nach Rosendahl kommt die 4. Fähre und bisher längste nach Gjermundshamm. Dabei überqueren wir den Hardangerfjord. Auf der R49 bleiben wir am Ostufer des Fjords und treffen bei Nordheimsund auf die R7.

Damit kommen wir zum Wendepunkt unserer Reise. Jetzt geht es ostwärts auf der Hardangervidda-Straße. In Eidfjord am Ende des Hardangerfjords trauen wir unseren Augen nicht: die AIDA-Sol hat dort festgemacht. So ein Riesenschiff in dieser beschaulichen Fjordlandschaft.

27.6. – Ausflüge in Eidfjord
Am Vormittag erhalten wir mit einem anderen Ehepaar eine Privatführung durch das Sima-Kraftwerk, wo die Wassermassen des Hardangerjökulls zu Strom gemacht wird. 600 m im Berginneren ist eine gigantische Turbinenhalle zu besichtigen. Mittags besuchen wir das Nationalparkcenter Hardangervidda – sehr ansprechend gemacht; da könnten unsere Leute noch was davon lernen. Bei strahlend blauen Himmel schauen wir auf die teilweise noch schneebedekten Berge hinauf, den wir morgen einen Besuch abstatten werden.

28.6. – Über den Hardangervidda
Auf der R7 weiter kommt schon kurz nach Eidfjord der bekannte Wasserfall Voringsfossen, dessen Wassermassen im Sommer für die Touristen die 182 m herunterprasseln dürfen. Die restliche Zeit dient das Wasser zur Stromerzeugung im Sima-Kraftwerk, das wir ja besichtigt haben. – Wir sind doch erstaunt, wieviel Schnee hier oben auf 1.200 m noch liegt. An eine Wanderung ist nicht zu denken. Der Hardangerjokulen grüßt mit strahlendem Weiß aus der Ferne. In der baumlosen Bergregion stehen immer wieder kleinere Ferien-Häuser, was uns schon verwundert.

Kurz vor Geilo (ausgesprochen Jeilo – damit hier niemand auf falsche Hintergedanken kommt!) treffen wir auf die Bergen-Eisenbahn.

29.6. – Wasch-Tag in Geilo
Die Ortschaft hier ist ein richtiges Wintersport-Zentrum, auch wenn es nicht mit unseren alpinen Zentren vergleichbar ist. Gerlinde nutzt die Gelegenheit, den Wäschevorrat wieder aufzufüllen. – Da wir hier kostenfreies WLAN haben, können wir schon eine Fähre von Trelleborg nach Sassnitz buchen. Was man mit so einem kleinen Wunderding von Smartphone nicht alles machen kann …

30.6. – Auf der Weiterfahrt bekommen wir eine Privatführung durch eine der ältesten Stabkirchen in Torpo. Eine norwegische Reiseleiterin, die oftmals Gruppen durchs Berchtesgadner Land geführt hat, ist uns sichtlich angetan. – Noch immer folgen wir der R7 und suchen uns am Kroderensee in Slevika noch einen Rastplatz zum Baden, weil mittlerweile wolkenloser Sonnenschein herrscht.

1. Juli – Auf nach Oslo
An den Siedlungen und Ortschaften merken wir, dass der Großraum Oslo nicht mehr weit sein kann.

Das Navi führt uns zielsicher zum Bogstad-Camping, angeblich Norwegens größter Campingplatz, der aber seine Ursprünglichkeit nicht verloren hat. Der gleichnamige See als Naherholungsgebiet für die Osloer lädt endlich zum Baden ein.

Mit der Oslo-Card können wir alle Museen und Verkehrsmittel benutzen. So machen wir uns gleich noch zur großen Holmenkollen-Sprungschanze auf, mit dem großartigen Blick auf die Stadt.

2.7. – Museumstag
Die beiden maritimen Museen haben es uns heute angetan: Das Fram-Museum und das Kon-Tiki-Museum, die auf einer Insel nach 10min. Überfahrt erreicht sind.

Es ist mehr als beeindruckend, diese Expeditions-Schiffe im Original zu sehen. (Was Gabriel freuen wird: das Balsa-Holz für Kon-Tiki kam aus Ecuador!)

Nachmittags noch der Besuch des Domes und ein Bummel durch die Hauptstraßen.

Ein Bild von uns vor dem Rathaus in Oslo gibt es als Beweis.

Vor dem Rathaus in Oslo

3.7. – Kultur: Munch und van Gogh
Schon früh machten wir uns auf, das Munch-Museum zu besichtigen. Glücklicherweise wurde dort eine Gegenüberstellung der Arbeiten von Edvard Munch und Vinzent van Gogh gezeigt. So haben wir gleich zwei große Künstler bestaunen können.

Anschließend gings zum Schloss, wo jede Menge Diplomaten-Autos vorfuhren. Gegen Mittag fuhren wir nochmals auf die Museumsinsel, um im Freilichtmuseum die Stabkirche von Gol zu sehen. – Ein Bad im Bogstadsee (nach dem der Campingplatz heißt) rundete den Tag ab.

4.7. – Wir verlassen auf der E18 südwärts die Stadt, um zunächst in Drobak die engste Stelle des Oslofjords zu sehen und das Haus des Weihnachtsmanns, das aber geschlossen war. Nach weiteren 25 km erreichen wir eine herrliche Badebucht auf der Insel Jeloya bei Moss – und einen rappelvollen Campingplatz, wo wir fast die einzigen Deutschen waren. Abends ein Bad im 19 Grad warmen Skagerak.

5.7. (Sonntag) und 6.7. – Ruhetag
Nächstes Ziel – wieder 50 km entfernt – ist Fredrikstad. Auf der Altstadtseite campieren wir neben der Festungsanlage, der wichtigsten Festung Norwegens am 611 km längsten Fluß Glomma des Landes.
Am nächsten Tag erkunden wir die Domkirche und das umtriebige Städtchen.

7.7. – Letzte Station in Norwegen
Zunächst wird die mächtige Festung Halden besichtigt, die uneingenommen über der Grenzstadt nach Schweden thront.

Südlich davon finden wir in Langholmen einen weiteren Badeplatz an einem See. Nur der kalte Wind hält uns vom Baden ab.

8.7. – Wir verlassen Norwegen, um im Küstenort Strömstad wieder schwedischen Boden zu betreten. Nach einem Bummel durch die reizvolle Innenstadt finden wir hier einen Superplatz, der alles hat; vor allem fast nur Norweger, die das Preisgefälle hier ausnützen.

9.7. – Heute ist eine Tagestour zum Nationalpark Kosteröarna geplant, einer vorgelagerten Inselgruppe. Mit dem Schiff geht es 40 Min. hinüber und dann erkunden wir die beiden Hauptinselnn mit dem Fahrrad. Es ging dabei über Stock und Stein, einige Male mußten wir die Räder tragen, was gut für die Bergsteigerkondition ist.

10.7. und 11.7. – Südwärts auf der E6 geht es nun 400 km in einem Sauß nach Helsingborg. Im uns bekannten Raa Vallar Resort erleben wir einen propenvollen Familiencampingplatz und lauter Hundebesitzer um uns herum. Badetemperatur am Sund erfrischend angenehm. Wir schauen dem Fährentreiben zu.

12.7. – Es zieht uns heimwärts!
Die unterwegs online gebuchte Fähre Trelleborg-Sassnitz fährt erst um 18 Uhr. So verbringen wir noch den halben Tag am Stellplatz Trelleborg, der uns aus der Schwedenfahrt 2012 bekannt ist.
Die übervolle Fähre ist eine Qual für die Ohren. – Nächtliche Ankunft auf dem letzten freien Stellplatz in Stralsund.

13.7. – Durch Mecklenburg-Vorpommern geht’s ins brandenburgische Rathenow zur Bundesgartenschau (BUGA-Havelland), leider bei etwas trübem Wetter. Für den nächsten Tag sind die weiteren BUGA-Städte geplant, doch das Regenwetter macht uns einen Strich durch die Rechnung.

14.7. – Direkt nach Potsdam zum Enkel. Jetzt hält uns nichts mehr auf, wir wollen sehen, wie der Bub in den vergangenen 28 Tagen gewachsen ist: prächtig!

15.7. – Am 28. Tag ist die direkte Rückfahrt in’s heiße Berchtesgadener Land – dankbar für eine wunderbare Nordland-Ausfahrt.