Norwegen 2017 – bis zum Nordkap

Durch einen familiären Trauerfall hat sich unsere Abreise um sechs Tage verzögert. Dazu mußten wir von Potsdam nochmal nach Nürnberg zurück und sind dann in einem Saus bei Starkregen nach Rostock gebraust.
So verregnet haben wir Deutschland noch nie durchquert!

1. Tag (30.6.): Fähre – Gedser, Helsingör, Göteborg – Norwegen

Die MS Berlin brachte uns dann nach Gedser und im Nu waren wir – auch wieder bei Regenwetter – in Schweden.
Auf der E6 – vorbei an Göteborg – haben wir in 01-Skjeberg bei Fredrikstad einen ersten Campingplatz in Norwegen gefunden – nach wieder 625 km (am Vortag waren es 663 km).
[Die Zahlen vor den Übernachtungsorten sind für die Statistik/GPS-Daten in einer extra Tabelle vorgesehen.]
Gegen Nachmittag zeigte sich erstmals wieder blauer Himmel, abends war es wolkenlos. Keine hätte das bei dieser Tiefdruck-Wetterlage vermutet.

2. Tag: An Oslo vorbei – Autobahn E6 – Amot/Rena

Bei Sonnenschein verlassen wir die E6 und umfahren Oslo auf der R111, R22, um in Lilleström wieder auf die E6-Autobahn zu kommen, die wir dann vor Hamar wieder verlassen um auf bekanntem Terrain des Vorjahres auf der R3 nach Elverum zu gelangen und kurz danach in 02-Rena an einem warmen See unsere norwegische Badesaison zu eröffnen.

3. Tag – (Sonntag 2. 7.): Richtung Bergbaustadt Röros

Die Fahrt auf der R3 über Tynset nach Röros immer an der Glama entlang führt uns durch wenig besiedeltes Waldgebiet – was wir vermutlich noch öfters erleben werden. Gegen Mittag erreichen wir den 03-Haneset Camping bei Röros, wo wir zwei Tage bleiben werden.
Leider hat sich der Himmel in schwarze Wolken mit Regen verwandelt. Auf den Bergen ringsum (ca. 1.600m) meinen wir, Schneespuren zu sehen. Unser Reiseführer tröstet uns, dass es hier mal einen Kälterekord von minus 54,4 Grad C. gegeben hat. – Doch das Innere von Fedor läßt sich angenehm heizen.
Sonntagsruhe bei Fiskebullar und warmem Tee, abends ein Zweigelt Süß.

Der nächste Tag ist mit dem Erkunden der Bergbaustadt Röros ausgefüllt. Damit ist ein erster Punkt unserer Reisewünsche erreicht. 1985 wurde der Ort in die Welterbeliste der UNESCO eingetragen.
1644 wurde erstmals Kupfererz hier gefunden und bis 1977 existierte das Kupferwerk von Röros. Mit seinen Schmelzhütten, Gruben und Flößereien machte es das Land reich und prägte die Landschaft.

Hier könnt ihr etwas über die UNESCO nachlesen.

5. Tag: Zum Trondheimfjord (Sor-Trondelag)

Nach einer kalten Nacht (8°) verlassen wir bei bedecktem Himmel Röros. Das kalte Wetter begleitet uns weiterhin.
Noch nie bin ich 150 km gefahren ohne ein Auto vor und hinter mir zu haben.
Das war auf der R705 durch Tydalen möglich. Die Bergstrecke Richtung Trondheim bringt uns auf 900m, immer wieder an Restschneefelder vorbei.
Pünktlich um 12 Uhr mittags fährt Fedor seinen 77.777 Kilometer – weiter so!

In Stjordal (Flughafen von Trondheim) kommen wir wieder auf die E6, auf der wir in den nächsten Tagen bleiben werden.
Tagesziel ist 04_Levanger am Trondheimfjord.

 

6. Tag: Durch Namdalen nach Nordland

Auf der E6 erleben wir nun eine Häufung von Wohnmobilen, die uns alle entgegenkommen. Darunter sind viele Deutsche, die wohl schon vom Nordkapp zurück kommen. Bei meistens 70 – 80 km/h fährt es sich sehr entspannt.
Unterwegs ein kurzer Foto-Stop am Formofoss.

Der nächste Wasserfall (12 km nördlich von Grong) hat es in sich: Am Fiskumfoss stürzen bis zu einer Million Liter Wasser pro Sekunde in die Tiefe. Dort ist auch das Zentrum der Lachsfischerei mit einem Museum und der längsten Lachstreppe Europas. – Wettermäßig wechselt sich Sonne und Regen den ganzen Tag ab.

Auf der Weiterfahrt sehen wir wieder schneebedeckte Berge, diesmal aber schon bei 300m.
Auf einem Privat-Camping bei 05_Trofors wird übernachtet.

 

7. Tag: Auf die Küstenstraße R17

Noch bis Mosjoen bleiben wir auf der E6, dann geht’s durch den viertlängsten Tolventunnelen (10,6 km) zum Kystriksveien, der R17. Die Reiseführer beschreiben sie als die schönste Touristenstraße der Welt. Darauf sind auch wir gespannt.

Die Masse der entgegenkommenden Womos ist plötzlich weg; wer hier fährt, lässt sich einfach Zeit.
An der Rückseite fahren wir an den „Sieben Schwestern“ vorbei, die wir bisher immer nur vom Hurtigrutenschiff gesehen haben.
Mit den verschiedenen Fähren haben wir Glück, die Wartedauer ist jeweils kurz.

In Kilboghamn übernachten wir am 06_Polarcamp.

 

8. Tag: Svartisen-Gletscher

Ein weiteres Highlight ist für heute geplant: die Fahrt zum Svartisen-Gletscher. Dazu haben wir erstmals wieder fast wolkenlosen Himmel und Sonne pur.

Doch zunächst überqueren wir den Polarkreis, pünktlich um 10:30 Uhr. Jetzt kommen wir endlich ins Reich der nie untergehenden Sonne.

Immer der R17 entlang – einer wenig befahrenen, aber wunderschönen Küstenstraße, die manchmal auch steil den Berg hinauf und hinab führt mit vielen Tunnels.
In Holandsvik steigen wir ins Schiff zum Svartisen (20 Min.) und nach der gleichen Zeit sind wir dem Gletscher so nahe wie nie zuvor. Im Wasser sehen wir springende Fische.

Nach wenigen Kilometern erreichen wir 07_Örnes, den Hurtigrutenhafen, auf dem wir noch nie ausgestiegen sind. Dort wartet auf uns ein weiterer schöner Wiesencamping, bevor es morgen nach Bodö geht und wir die Überfahrt zu den Lofoten planen.

 

9. Tag: Bodo

Ein letztes Mal fahren wir die Küstenstraße R17, die uns immer wieder durch kleine Tunnels führt und nicht immer der Küstenlinie folgt.

Bevor wir unser Tagesziel Bodo erreichen, schauen wir uns den Saltstraumen an, diesmal bei Flut. Er gilt als der stärkste Gezeitenstrom der Welt und bei jedem Gezeitenwechsel strömen 400 Millionen m³ durch den 150 m breiten und 50 m tiefen Sund. Bis zu 30 km/h schnelle Strudel entstehen dadurch.
Hurtigruten bietet das Spektakel immer als teueren Ausflug an – wir machen es umsonst.

Der 08_Bodo-Campingplatz liegt zwar am Flughafen, doch die Maschinen sind meinst im Anflug und sehr leise.
Per Internet (www.torghattan-nord.no) buchen wir die Lofoten-Fähre, was den Vorteil hat, dass wir auf die gewünschte Fähre auch wirklich kommen und uns so das stundenlange Warten auf einen freien Platz ersparen.

 

10. Tag (Sonntag 2. Juli): Domkirke in Bodo – Fähre zu den Lofoten

Wir können ganz entspannt den Sonntag mit einem Gottesdienst in der Domkirche angehen, weil unsere Fähre erst um 17:35 geht. So parken wir in der Stadt, die wir von unseren Huritigruten-Reisen bestens kennen.
Überall in der Stadt sehen wir viele Pfadfinder, die dort wohl ein großes Treffen haben.

Leider bei trüben Regenwetter findet die Überfahrt nach Moskenes auf den Lofoten statt (860 NOK). Die Womos über 10 m müssen fast den dreifachen Preis bezahlen – da lobe ich mir doch wieder unseren Fedor!

Die Fähre brachte uns mit einer halbstündigen Verspätung ans Ziel – und wir mussten erstmals erleben, dass der Campingplatz am Hafen belegt war. Kurzentschlossen sind wir ca. 5 km an die Südspitze der Insel nach 09_A (den meines Wissens kürzesten Ortsnamen mit einem Kringel darauf) gefahren und bekamen auf einem kleinen Platz direkt am Wasser einen Stellplatz. Die Mitternachtssonne verhüllte sich in Wolken. [Anmerkung: Auf halber Strecke nach A wäre ein Parkplatz mit WC gewesen, wenn wir nichts mehr gefunden hätten.]

 

11. Tag: Weiße Sandstrände auf den Lofoten

In einigen Filmen über die Lofoten werden immer wieder herrliche Sandstrände mit südlichem Flair gezeigt. Es fehlen zwar die Palmen, aber der weiße Sand und der ca. 2 km lange Strand am „Europäischen Nordmeer“ sind beeindruckend.

Die beiden Fischerdörfer Reina und Nusfjord (in der UNESCO-Welterbeliste) zeigen, wie die Fischer in früheren Zeiten auf den Lofoten lebten.
In der Nähe von 10_Leknes bleiben wir für die Nacht.

12./13. Tag: Sortland auf den Vesteralen

Wir genießen die Weiterfahrt auf der E10 auf den Lofoten. Immer wieder beeindrucken uns die schroffen Felstürme, die direkt aus dem Meer aufsteigen und nach jeder Straßenbiegung in eine neue Bucht gibt es malerische Ausblicke. Wir verstehen, warum die Lofoten überall so gepriesen werden.

Da wir den Hauptort Svolvaer von unseren Hurtigruten kennen, beschränken wir uns nur auf den Lebensmittel-Einkauf.

Mit einer kleinen Fähre von Fiskebol nach Melbu (145 NOK) setzen wir über auf die Vesteralen.
Der Campingplatz in Stokmarkenes ist einsam und unbewacht, so ziehen wir weiter und übersehen auf der Straße eine Schwelle, die uns leider die hintere Tür etwas verbiegt, an der der Fahrradständer angebracht ist. Hoffentlich bleibt sie dicht!

In 11_Sortland beschließen wir, erstmals zwei Nächte zu bleiben. Der NAF-Camping liegt etwas terassenförmig, ist mit 320 NOK der bisher teuerste und die Sanitäranlagen sind dringend renovierungsbedürftig.
Überhaupt machen wir die Erfahrung, dass die Campingplätze im Norden nicht mit den Standarts der südlichen Plätze konkurrieren können.

Am 13. Tag schauen wir der „Finnmarken“ zu, wie sie mittags in der „Blauen Stadt“ anlegt. Die Häuser im Hafenbereich sind in unterschiedlichen Blautönen gestrichen.
Vergeblich halten wir Ausschau nach der Mitternachtssonne, die sich auch tagüber meist hinter dicken Wolken versteckt. Bei ca. 12° ist es doch recht kühl.
Für morgen beschließen wir, an die 100 km entfernte Nordspitze nach Andenes zu fahren, nicht unbedingt wegen der Wale, die sich dort tummeln sollen. Vielleicht haben wir mit der Mitternachtssonne am Nordmeer Glück.

 

14. Tag: Andenes auf Andoya

Zunächst geht es wie bei Hurtigruten nach Risoyhamn, dort über die große Brücke, die wir schon dreimal durchquert haben. Die Westseite der Insel Andoya führt direkt am Atlantik entlang mit herrlichen weißen Badestränden; wettermäßig leider nicht einladend.
An der Nordspitze liegt 12_Andenes, der Ausgangsort für die Walfahrten (gemeint sind die Meeressäuger – keine Wallfahrt mit zwei LL).
Dort besuchen wir das norwegische Zentrum zur Erforschung des Polarlichts (aurora borealis) – sehr interessant.
Das Wetter bleibt trübe, und wir geben die Hoffnung schon auf, die Mitternachtssonne über dem Meer gegen Norden zu sehen. Doch von unserem Stellplatz zeigt sich dann wirklich gegen 23:30 h ein Wolkenloch mit der vorbeiziehenden Sonne – erstmals, seit dem Polarkreis.

 

15. Tag: Rückfahrt auf der Ostseite nach Narvik

Der erste Tag, an dem es den ganzen Tag regnet. Über Sortland geht es die R85 nach Lodingen, wo wir mit zwei Fähren wieder den Anschluß an die E6 bekommen, nach unserem Ausflug auf die Lofoten/Vesteralen.
Jetzt ist die Straße wieder von Womos bevölkert, die nach Norden und Süden ziehen.
Am Ofotfjord entlang, über viele Kuppen und Kurven kommen wir nach 13_Narvik dem Erzverladehafen, dem größten der Welt.
Geplant ist nun, den örtlichen Campingplatz zu suchen, um die Stadt ansehen zu können. Doch es gibt kein Hinweisschild, weil der Platz aufgelassen wurde. So fahren wir noch einige Kilometer weiter an den Abzweig der E10 von der E6 nach Kiruna.
Immer noch im Regen finden wir einen Platz, ohne viel Komfort.

 

16./17.Tag: Weiter auf der E6 Richtung Tromsö

Wieder bergauf, bergab zieht sich die Straße nordwärts, jetzt allerdings nicht mehr an Fjorden entlang, sondern eher durchs Ladesinnere, wieder nahe an der schwedischen und später finnischen Grenze.

Da wir Tromsö von den Hurtigschiffen kennen, lassen wir es diesmal links liegen und fahren weiter Richtung Alta.

Als Zwischenstation fürs Wochenende wählen wir den Lyngenfjord und bleiben auf dem 14_Olderelv für zwei Tage. Es ist ein großer Platz mit allem Komfort, einschließlich Sauna. Er entschädigt uns für die etwas einfachen letzten Plätze.
Da mittlerweile die Sonne scheint, wird gleich ein Waschtag eingelegt.

Den Sonntag verbringen wir am Vormittag mit einer Wanderung zu einem Wasserfall. Hier gibt es viele Wandermöglichkeiten; das Lyngsfjellan gilt als Geheimtipp für Tourengeher im Winter und Bergwandern im Sommer.

 

18. Tag: Zum 70. Breitengrad nach Alta

Zunächst geht’s weiter am Ufer des Lyngenfjords auf der E6, bei leichtem Nieselregen. Die Berge der Lyngenalpen verstecken sich in Wolken – schade, es wären sicher schöne Anblicke von vielen Schneefeldern.
Dann müssen wir wie immer steil auf die Hochebene fahren, wo uns dann ein dicker Nebel umhüllt. Wir orientieren uns an der Nebelleuchte unseres Vorgängers.

So langsam wird mir bewußt, wie lange doch der Weg zum Nordkap ist: die Kilometer wollen nicht aufhören.
Wir sind jetzt in der Finnmark. Die Hinweistafeln sind mittlerweile dreisprachig: neben norwegisch, samisch und ein ostseefinnischer Dialekt (kvenisch, seit 2005 als eigene Sprache anerkannt).

Am Ende des Altafjorden erreichen wir unser Tagesziel: 15_Alta. Dort liegen drei Campingplätze unmittelbar nebeneinander; wir nehmen den mittleren: CampAlta am lachsreichen Fluß Altaelva.

 

19. Tag: Zum Nordkap – Honningsvag

Nun aber rückt das ersehnte Ziel unserer Reise in greifbare Nähe.
Noch einmal müssen wir eine Hochfläche bezwingen und dort wachsen nur noch die anspruchslosen Fjällbirken.
In Russenes am Porsangen (Fjord) verlassen wir nun die E6 (die ja nach Kirkenes führt) und fahren direkt nordwärts auf der E69, immer am Ufer entlang bis wir zum Nordkaptunnel kommen, dem nördlichsten Unterseetunnel der Welt. Seit 1999 verbindet er die Nordkapp-Insell Mageroya mit dem Festland. Es geht 212 m unter den Meeresspiegel bei fast 7 km Länge.

Schon bald ist Honningsvag erreicht, wo zu unserem großen Erstaunen neben der Nordlys der Hurtigrute auch die Albatros der Phoenix-Kreuzfahren liegt.
(Unsere Freunde aus Karlsruhe werden sich sicher freuen, wenn sie das lesen!)
Die Passagiere beider Schiffe sind längst in Bussen ausgeschwärmt zum Nordkap. Wir bummeln durch den uns vertrauten Ort, den wir schon zu allen Jahreszeiten erlebt haben.
Noch 30 km trennen uns vom Traumziel. Davor im letzten Ort Skarsvag bleiben wir auf dem 16_Kirkeporten Camping für eine Nacht um morgen dann zeitig die letzten Kilometer zu fahren. Das Wetter bietet derzeit im Stundenrhythmus alles, was eben zum Nordkap gehört: Wolken, Nebelfetzen, stürmischer Wind, blaue Himmel-Löcher und Regen.

Heute am 20. Tag unserer Nordlandfahrt haben wir um 10:20 h unser Ziel 3.508 km entfernt von zuhause erreicht. Wir sind glücklich und dankbar.

 

Hier lest ihr von unserer Rückreise