Norwegen 2017 – Rückfahrt

Nein, ich will nicht klagen! Das Azoren-Hoch reichte diesmal nicht bis zum Nordkap. Wir haben das „Normalwetter“ auf unserer Fahrt, und es wurde schon öfters beschrieben. Doch dass es am Nordkap diesmal Sturmboen hatte, die Fedor leicht ins Wanken brachte, das war nachts schon etwas Besonderes.

Wir haben die Reisebusse gezählt: 5 bei den Hurtigruten (13 h), 20 bei Costa Pazifik (17 h) und ebensoviel um 22 h bei einem weiteren Schiff – da stehen dann auf einmal bis zu tausend Menschen in der Nordkapphallen und den anderen Räumen, die alle den Trip zum Nordkap gebucht haben und schauen in eine Nebelsuppe und sehen nix als nur enttäuschte Gesichter. – Wir hatten gegen Mittag wenigstens noch den Meeresblick, bevor das Sturmwetter losbrach.

21. Tag: Abschied vom Nordkap

Der Tag beginnt mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet im Restaurant. Es war ja schließlich unser erster Restaurantbesuch – Frau Fedor hat bisher immer schön aufgekocht.
Nochmals in der Nebelsuppe nehmen wir Abschied und stellen fest, dass der ganze Wetterspuk in Honnigsvag schon vorbei ist. Für den weiteren Tag haben wir trockenes Wolkenwetter.

Zurück geht es wieder die E69, und in Olderfjord nehmen wir die E6, diesmal bis 18_Karasjok, wo die Hochburg der Samen ist mit Hochschule und Parlament.
Ein netter Campingplatz mit echter Holz-Sauna empfängt uns.

 

22. Tag: In Finnland

Im Hochland der Finnmarksvidda fahren wir auf der R92 nach Kautokeino, einer Hochburg der Samen und besichtigen dort ein ansprechendes Sami-Museum.

Weiter auf der R93 zur finnischen Grenzstadt Kaaresvanto am Kelottijärv. Ein leicht verkommener Campingplatz empfängt uns. Wir zahlen erstmals wieder 20 € – bleiben die einzigen Gäste und das hätte uns eigentlich hellhörig machen müssen: eine Stechmückenplage ähnlich der biblischen ägyptischen Plagen überfällt uns dort. An Nachruhe ist nur im Halbstundentakt zu denken, der Fußboden gleicht einem Schlachtfeld toter Stechmücken und unsere Körper sind am Morgen mit roten schmerzenden Pusteln übersät.
Doch wir haben es überstanden.

 

23./24. Tag (23.7. – Sonntag): Kiruna
In Schweden geht es nun der E45 entlang bis Svappavaara, und dann zum Abstecher nach Kiruna.
Schon von Ferne sehen wir die großen Abraumhalden der Erzstadt und bleiben wie immer am Wochenende auf dem Ripa-Camp in Kiruna für zwei Nächte.
Das gerade im Bau befindliche neue Stadthaus ca. 3 km östlich der Stadt weist auf das neue Stadtgebiet hin, in das die bisherige Stadt „umziehen“ soll. Der Bergbau fordert sein Opfer: die bisherige Stadt soll „untergehen“.
Etwas gespenstisch wirken die verlassenen Häuser, alle sind wohl mit dem Womo irgendwohin in die Ferien ausgeflogen.
Herrlicher Sonnenschein bei fast wolkenlosem Himmel – womit haben wir das verdient?
Sonntags ein schwedischer Gottesdienst in der einem Zelt (Kohte) nachempfundenen Kirche – zum Mittag denn leckeres Gulsch und Reis.
Gegen Abend noch die Besteigung des höchsten Abraumberges – leider ist die Mittsommer-Sonne seit sechs Tagen hier nicht mehr sichtbar.

Nun soll es auf der E10 südwärts zum Bottnischen Meerbusen gehen.

 

25./26. Tag: Lulea am Bottenviken

Die Fahrt von Kiruna auf der E10 geht nochmals durch die Hochebene von Lappland – wie schon mehrmals beschieben – ohne nennenswerte landschaftliche Veränderung.
Bei Naisheden kreuzen wir wieder den Polarkreis und gönnen uns dazu ein Magnum-Eis. Bei Tören ist am Hafen eine Boje, die den nördlichsten Zipfel des Bottnischen Meerbusens kennzeichnet. Hier kommen wir auf die E4, die für die nächste Zeit unser Wegbegleiter sein wird.

In Lulea, dem früheren Hafen für die Erzverladungen von Kiruna über die Ostsee machen wir für zwei Tage Halt.
Der „First Camp“ ist ein teurer Riesenplatz, aber schön in einem Kiefernwald gelegen.

Am nächsten Tag mit dem Radl in die Stadt um dort den Dom zu besichtigen. Das frühere Kirchspiel umfasste ganz Lappland bis Kiruna an die norwegische Grenze. In Gammelstad ist die alte Steinkirche mit einer Kyrkstad (Kirchenstadt) mit 450 Häusern zu bewundern (UNESCO-Welterbe). Da ja bis ins 19. Jahrhundert Gottesdienstpflicht bestand, konnten die Gläubigen an den hohen Feiertagen hier übernachten, wenn sie von weither mehrere Tage angereist sind. Das waren halt noch Zeiten!

 

27. Tag: entlang der Küste

In Pitea besuchen wir eine der größten Holzkirchen des Landes, die nicht abgebrannt ist und erfreuen uns an einem Kebab – doch mit Rentierfleisch: hmm – lecker!

Die gut ausgebaute E4 bringt uns dann rasch 240 km weiter. Die Landschaft entlang der Straße ist schon wieder typisch schwedisch mit Wiesen und Einzelgehöften, eben ganz anders als in Norwegen.
In der Nähe von Robertsfors mit einer alten Bergwerksvergangenheit finden wir in Sikea Hamn am Meerbusen einen kleinen ruhigen Platz, als Alternative zu den letzten beiden Tagen.

 

28. Tag: Umea

Die europäische Kulturhauptstadt 2014 wird von den Schweden „Stadt der Birken“ genannt, weil nach der letzten Feuersbrunst 1888 an den verbreiterten Straßen 3000 Birken gepflanzt wurden, die einen Ascheflug verhindern sollten.

Nur 50 km weiter südwärts lockte uns dass sonnige Wetter an einen Platz 23_Nordmaling Rödviken direkt an der E4.
Im Ostseewasser tummelten sich einige Kinder, uns war es aber immer noch zu frisch.

 

29. Tag: Örnsköldsvik – Höga Kusten

 

Der Outdoor-Konzern Fjällräven (die Marke mit dem Fuchsgesicht) hat in Örnsköldsvik seinen Firmensitz. Das ist Grund genug, dieser Industriestadt einen Besuch abzustatten, in der Hoffnung, dort einen Outlet-Fabrikverkauf zu finden.
Doch zunächst landen wir an einer großen Halle, in der Kinder Eishockey übten – mitten im Sommer. Ja, bei den Schweden ist manches verkehrt herum.
Außerhalb der Stadt war dann doch ein Outlet zu finden und Fedor durfte Hemd und Hose mit dem Fuchs kaufen.

Weiterfahrt an der „Hohen Küste“ (höga kusten) – seit der Eiszeit sind dort die Granitklippen auf eine Höhe von bis zu 290m angestiegen. Auch diese Gegend gehört zum Weltnaturerbe.

In 24_Härnösand schauen wir den Dom (Bischofssitz) und die Altstadt mit einigen Jugendstil-Häusern an.
Ganz in der Nähe dann wieder ein kleiner Campingplatz, an dem uns ein Züricher in der Rezeption begrüßt. Leider fängt es am Nachmittag leicht zu regnen an. Doch die Köttbullar mit Preiselbeeren schmecken immer.

 

30./31. Tag (Sonntag – 30. Juli): Sundsvall – Hölicks naturreseervat, eine Küstenperle

Weiter südwärts ist das nächste Ziel die Hauptstadt der Küstenprovinz Medelpad, Sundsvall. Nach dem Stadtbrand von 1888 wurden dort prachtvolle Steinhäuser als Gründerzeitpaläste errichtet.
Die damaligen Holzbarone mit ihren unsäglichen Arbeitsbedingungen veranlassten den ersten großen Streik in Schweden.
In der großen Kirche zeigt mir der Kollege voll Stolz seine Altargewänder; da könnte mancher katholische Kollege bei uns richtig neidisch werden.

Gerlinde wollte das Wochenende naturnah verbringen, deshalb fahren wir auf die Halbinsel Hornlandet in das Naturreservat Gävlesborgs Län nach Hölick. Am dortigen Badestrand herrscht reges Treiben und auch Fedor wagt sich in die Wellen der Ostsee, bei geschätzten 16° ein frisches Vergnügen.
Am Sonntag geht es dann auf eine dreistündige Wanderung buchstäblich über Stock und Stein, mit herrlichen Ausblicken.

Am Ende des Tages verspüren wir einen leichten Muskelkater.

[Nur am Rande: Im Internet lesen wir heute die Todesanzeigen von zwei Bekannten aus Kirche und Schule – wir sind sehr betroffen und zünden in den Kirchen, die wir besuchen, Kerzen für sie an – R.I.P]

 

32. Tag: Gävle und Uppsala

In Gävle besuchen wir Norrlands älteste Stadt mit seiner Altstadt Gamla Gäfle, die diesmal vom Feuer verschont wurde und so aus dem 18. Jh. zu bestaunen sind.
Den gigantischen Julbock können wir leider nicht bestaunen, er wird erst am 1. Advent aus Strohballen gemacht und soll der größte Ziegenbock der Welt sein – Wahrzeichen der Stadt.

Nun ist es nicht mehr weit nach Uppsala, das wir ja 2012 bereits besuchten. Schon von weitem zeigen sich die Türme (118m hoch) der größten Kathedrale des Nordens, dem Dom, die Grabkirche Gustav Vasas und anderer Berühmtheiten.

Ein abendliches Bild mit den zufriedenen Nordlandfahrern spricht für sich …

 

33. Tag: Norrköping

Nach einem ausgiebigen Besuche des Domes in Uppsala, der uns immer wieder beeindruckt, geht es mittags über die R55 bis nach Strängnäs am Mälasee und dann ein kurzes Stück die stark befahrene E20 Richtung Stockholm. Das Navi wollte es so. Die letzte Strecke dann auf der E4 bis 27_Norrköping. Dort waren wir bereits 2012 und haben wieder den gleichen Platz besucht und uns an den prähistorischen Felszeichnungen gegenüber dem Camping erfreut.

Dank Internet konnte eine Fähre von Trelleborg nach Sassnitz für Donnerstag 18 Uhr gebucht werden.
Damit wird unsere Fahrt zum Nordkap und zurück bald ihr Ende finden.

 

34. Tag: Entlang der Ostseeküste nach Skane

Es sind 431 abwechslungsreiche Kilometer, die uns heute nach Süden auf der E22 bevorstehen.
In Kalmar essen wir in einem stark besuchten IKEA zu Mittag – einen so vollen Parkplatz mit Autos und Womos habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
Über Karlskrona geht’s dann in die Region Schonen und später nach Skane.
In 28_Bromölla treffen wir erstmals wieder die Masse deutscher Urlauber am Ivösjö-See, der trotz starkem Wind zu einem Badespass einladen will. Schwimmen war leider nicht möglich, da das Wasser nur knietief war.

Nein, zum Baden hat uns unsere diesjährige Fahrt, andes als in den letzten Jahren, nicht eingeladen – die Badesachen blieben bis auf zweimal trocken.

Morgen, am letzten Tag auf schwedischem Boden soll’s über Kristianstad, Malmö nach Trelleborg und auf die MS Sassnitz gehen.

 

35. Tag: Nach Trelleborg und auf die Fähre

Auch am letzten Tag auf schwedischem Boden will sich die Sonne nicht recht zeigen: Regenwolken begleiten den Weg ab Kristianstad, das wir am Vormittag noch besuchen.
Diese Militärstadt (bis heute) hat eine große Renaissance-Kirche; ansonsten halt eine typische, am Reißbrett entworfene Stadt.
Ein weiterer Besuch von Lund fällt wegen des Regens aus. So sind wir schon zeitig in Trelleborg und können ganz gelassen auf unsere Abendfähre warten.

Sie bringt uns in 4:15 h nach 29_Sassnitz auf Rügen, wo wir ganz in der Nähe des Fährshafens auf dem Stellplatz des Nationalparks Jasmund am Königsstuhl nächtigen.

 

36. Tag: Tag der Kreidefelsen

Da es vom Womo-Standplatz nur 3 km zum Königsstuhl ist, wandern wir am Vormittag dorthin, durch das Gebiet des UNESCO-Welterbes unter herrlichen alten Buchenwälder und bestaunen wieder den sonnenbeschienenen Kreidefelsen.

Wir bleiben beim Thema „Kreide“ und besuchen am Nachmittag das Kreidemuseum Gummanz, wo bis 1962 Kreide mehr oder weniger händisch abgebaut wurde. Danach wurde bis heute der für die Industrie, Umwelt (z.B. Rauchgasentschwefelung) und Kosmetik beliebte Rohstoff industriell gefördert. Die Insel Rügen besteht mehr oder weniger aus Kreide!
Wir bleiben noch zwei Tage bis Sonntag auf Rügen, weil es nicht nach Regen aussieht.

 

37. Tag: Badespaß in der Nähe von Kap Arkona

Auf dem Knaus-Campingplatz auf der nördlichsten Insel Wittow, direkt am Ostseeufer verbringen wir einen Badetag. Die Ostsee hat gefühlte 17° – für ein kurzes „Abkühlen“ gerade richtig.

Mit dem morgigen Sonntag (6. August), der uns noch nach Greifswald und dann zur erweiterten Familie nach Mecklenburg-Vorpommern bringt, findet der aktuelle Reisebericht sein vorläufiges Ende. Wir bleiben noch bis Mitte des Monats im Norden und wollen wieder den Enkel sehen.

Kurz gesagt: es war eine wunderbare Reise zum Nordkap und zurück – danke für euer Interesse!

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